Vitamin D: Nahrungsergänzung mit Sonnenvitamin im Öko-Test
Öko-Test prüft Nahrungsergänzung:Kaum Empfehlungen für Vitamin-D-Supplements
von Florence-Anne Kälble
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Vitamin D ist wichtig für den Körper, aber wie viel ist zu viel? Öko-Test hat 23 Vitamin-D-Nahrungsergänzungen und deren Wirksamkeit geprüft. Das Ergebnis lässt zu wünschen übrig.
Vitamin D stärkt die Knochen und Muskeln, wird mit zahlreichen Gesundheitsvorteilen in Verbindung gebracht und vor allem durch Sonnenlicht aufgenommen. Doch wie viel braucht der Körper wirklich?26.02.2025 | 1:32 min
Supplements gelten als Mittel der Wahl, um vermeintliche Nähr- und Mineralstoffmängel auszugleichen. Doch welche Präparate halten wirklich das, was sie versprechen? Besonders bei Vitamin D scheiden sich die Geister. Öko-Test ist dieser Frage in seiner Januar-Ausgabe auf den Grund gegangen. Das Fazit der Tester ist ein eindeutiges: "Die Dosis macht's".
Arzneimittel vs. Nahrungsergänzungsmittel
Bei den vier Arzneimitteln wie unter anderem "Dekristol 1000 I.E." (Gesamtnote "sehr gut") hatten die Tester nichts auszusetzen. Die beauftragte pharmakologische Bewertung bescheinigte eine ausreichend belegte Wirksamkeit bei den im Beipackzettel aufgeführten Indikationen, so die Tester. Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, sowohl Dosis als auch Dauer vom behandelnden Arzt einzuhalten.
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Kritischer beurteilte Öko-Test die Nahrungsergänzungsmittel (NEM). Menschen, die sich in den Sommermonaten ausreichend im Freien aufhalten, hätten keinen zusätzlichen Nutzen durch die Einnahme der Präparate. Mit "gut" und somit Bestnote bei den NEM schnitten die "Hübner Vitamin D3 Tropfen" ab.
Tagesdosis bei vielen Präparaten deutlich überschritten
Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) rät, eigenständig nur Präparate mit maximal 20 Mikrogramm pro Tag einzunehmen. Diese Menge sei auch unter Berücksichtigung weiterer Vitamin-D-Quellen "langfristig gesundheitlich unbedenklich".
Öko-Test kritisierte, dass bis auf vier Präparate alle NEM in diesem Test mit ihrer höchsten empfohlenen Tagesdosis über diesem Wert liegen. Die höchste Tagesdosis hatte "Vigantolvit Vitamin D3 Öl, Tropfen" von "Procter & Gamble" (Note "ungenügend") mit 100 Mikrogramm, was fünffach über der Empfehlung des BfR liege, so Öko-Test weiter.
Während eine Überdosierung bei vielen Vitaminen nur teuren Urin produzieren würde, so Öko-Test, werde Vitamin D im Körper gespeichert. So könne es laut Öko-Test bei einer dauerhaften Überdosis zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Übelkeit, Bauchkrämpfen oder Nierenschäden kommen.
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Laboranalyse deckt Abweichungen auf
Im Labor wurden die Produkte auf ihren Inhalt analysiert. Beachtung fanden dabei die für Vitamine festgelegten Toleranzen. Die "GSE Vitamin D3 Compact Bio Tabletten" (Note "ungenügend") rissen diesen Wert. Der festgestellte Wert wich deutlich von der deklarierten Tagesdosis ab und enthielt mehr als ein Viertel weniger Vitamin D. In einem chargengleichen Gutachten des Herstellers lag der gemessene Gehalt innerhalb der tolerierten Abweichungen.
Umstrittene Zusatzstoffe
Einige der Produkte - sowohl Arzneimittel als auch NEM - enthalten Substanzen, die von Öko-Test kritisch gesehen werden. Beispielsweise das Gelier- beziehungsweise Verdickungsmittel Carrageen und Carboxymethylcellulose.
In Tierversuchen zeige Carrageen negative Effekte auf Verdauungstrakt sowie Immunsystem. Carboxymethylcellulose führe zu entzündlichen Veränderungen der Darmflora. Öko-Test wertete beide Stoffe um eine Note ab. Ebenso wie Phosphatverbindungen und den künstlichen Süßstoff Sucralose. Letztere stehen laut den Testern im Verdacht, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erhöhen.
Zwei Arzneimittel sowie ein Nahrungsergänzungsmittel für Vitamin D enthielten Talkum, das jüngst von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation neu bewertet und als "wahrscheinlich krebserregend für Menschen" eingestuft wurde. Die europäischen Behörden werden voraussichtlich Ende 2025 über die Neueinordnung von Talkum als krebserregenden Gefahrstoff abstimmen. Öko-Test wertete Talkum aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes bei der Untersuchung von Vitamin-D-Präparaten um zwei Noten ab.
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Fehlende Hinweise für Verbraucher
Die Tester bemängelten fehlende Hinweise auf den Beipackzetteln wie zum Beispiel, dass der Körper Vitamin D in ausreichender Menge selbst herstellen könne, diese Eigensynthese in der dunklen Jahreszeit jedoch eingeschränkt sei. Ausgenommen davon sind Personengruppen, die ein erhöhtes Risiko einer unzureichenden Versorgung haben. Dazu gehören Menschen höheren Alters, Menschen, die sich gar nicht oder nur mit gänzlich bedecktem Körper im Freien aufhalten sowie Menschen mit dunkler Hautfarbe.
Testverfahren von Öko-Test
23 Vitamin-D3-Präparate in Form von (Schmelz-)Tabletten, Tropfen und Kapseln beziehungsweise Perlen, die zur täglichen Einnahme ausgelobt sind - darunter vier rezeptfreie Arzneimittel und 19 Nahrungsergänzungsmittel (NEM) aus Apotheken, Drogerien, (Bio-)Supermärkten oder dem Onlinehandel. Pro höchster empfohlener Tagesdosis wurden zwischen zwei und 55 Cent bezahlt.
Die pharmazeutischen Chemiker der Goethe-Universität-Frankfurt, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz und Doktor Mario Wurglics, haben die Studienlage analysiert. Ein zertifiziertes Labor hat darüber hinaus die Vitamin-D-Gehalte aller Präparate analysiert und verglichen, ob die gemessenen Werte mit den pro Tagesdosis deklarierten Gehalten übereinstimmen. Da es EU-weit noch keine verbindlichen Regelungen zur Dosierung einzelner Vitamine und Mineralstoffe in NEM gibt, hat Öko-Test zur Bewertung dieser Produktgruppe die Höchstmengenempfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zugrunde gelegt.
Darüber hinaus wurde geprüft, ob sich die Auslobungen auf den Verpackungen der Nahrungsergänzungsmittel mit der EU-Health-Claims-Verordnung decken. Und ob sich darauf Hinweise finden, dass der Körper Vitamin D mithilfe von Sonnenlicht selbst herstellen kann, dass diese Eigensynthese in der lichtarmen Zeit geschmälert ist und dass bestimmte Personengruppen ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung haben, da sie nicht genügend Vitamin D über die Haut bilden können.
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Quelle: dpa
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