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Die Sachbuch-Bestenliste für November 2022

Von ZDF, Deutschlandfunk Kultur und DIE ZEIT

Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey, Gekränkte Freiheit: Aspekte des libertären Autoritarismus, Suhrkamp, 480 Seiten, 28,– €
Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey, Gekränkte Freiheit: Aspekte des libertären Autoritarismus, Suhrkamp, 480 Seiten, 28,– €
Quelle: suhrkamp Verlag

1. (-) Ob bei Corona-Protesten oder den Debatten um Klimawandel und Cancel Culture: Anhand zahlreicher Fallstudien machen die Sozialwissenschaftler Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey einen neuen Typus Widerstandskämpfer fest: Die libertären Autoritären. Woher kommt dieser zunächst widersprüchlich wirkende Sozialfigur? Und inwiefern bedroht ihr verkürzter Freiheitsbegriff das Fundament der Demokratie? 51 Punkte

Ed Yong, Die erstaunlichen Sinne der Tiere. Erkundungen einer unermesslichen Welt, A. d. Amerikanischen von S. Vogel, Kunstmann, 528 Seiten, 34,– €
Ed Yong, Die erstaunlichen Sinne der Tiere. Erkundungen einer unermesslichen Welt, A. d. Amerikanischen von S. Vogel, Kunstmann, 528 Seiten, 34,– €
Quelle: Kunstmann Verlag

2. (7) Tiere nehmen die Welt anders wahr als Menschen: Käfer werden von Feuer angezogen, Schildkröten spüren Magnetfelder auf, Fische kommunizieren über elektrische Botschaften im Wasser. Doch Licht- und Lärmverschmutzung überfordern die tierischen Sinne. Altantic-Journalist Ed Yong über die faszinierende Wahrnehmungswelt der Tiere – und die verheerenden Schäden, die wir ihr zufügen. 49 Punkte

Helmut Lethen: Der Sommer des Großinquisitors: Über die Faszination des Bösen, Rowohlt Berlin, 240 Seiten, 24,– €
Helmut Lethen: Der Sommer des Großinquisitors: Über die Faszination des Bösen, Rowohlt Berlin, 240 Seiten, 24,– €
Quelle: Rowohlt Berlin Verlag

3. (9) Als Jesus auf die Erde zurückkehrt, wird er vom Großinquisitor zum Tode verurteilt. Unzählige Male ist auf die Figur aus der gleichnamigen Legende von Fjodor Dostojewski Bezug genommen worden: auf schwarzen Messen des Fin de Siècle, bei Max Weber und Carl Schmitt, immer als Personifizierung des Bösen. Ein aufregender Ritt durch die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. 38 Punkte

Meron Mendel, Saba-Nur Cheema & Sina Arnold (Hg.), Frenemies. Antisemitismus, Rassismus und ihre Kritiker*innen, Verbrecher Verlag, 350 Seiten, 20,– €      
Meron Mendel, Saba-Nur Cheema & Sina Arnold (Hg.), Frenemies. Antisemitismus, Rassismus und ihre Kritiker*innen, Verbrecher Verlag, 350 Seiten, 20,– €      
Quelle: Verbrecher Verlag

4. (-) Eigentlich verbindet sie so viel: Antisemitismus und Rassismus sind beides menschenfeindliche Ideologien. Diejenigen, die sich dagegen engagieren, können trotzdem oft nicht miteinander, das zeigte zuletzt die Documenta-Debatte. Forscherinnen und Aktivisten beider Lager suchen nach den Ursprüngen des Konflikts – und geben Antworten auf „naive Fragen“ wie: Sind Juden und Jüdinnen „weiß“? 33 Punkte

Omri Boehm, Radikaler Universalismus. Jenseits von Identität, Universalismus als rettende Alternative, A. d.  Englischen von M. Adrian, Propyläen, 176 Seiten, 22,– €
Omri Boehm, Radikaler Universalismus. Jenseits von Identität, Universalismus als rettende Alternative, A. d. Englischen von M. Adrian, Propyläen, 176 Seiten, 22,– €
Quelle: Propyläen

5. (2) Der Universalismus hat ein Imageproblem, für manche gilt er als kolonialistisch. Der israelische Philosoph Omri Boehm dagegen ist überzeugt: Eine gerechtere Zukunft ist nur mit universellem Denken möglich. Ein Plädoyer für eine Neuinterpretation von Immanuel Kants Philosophie, um die festgefahrenen Identitätsdebatten der Gegenwart hinter uns zu lassen. 31 Punkte

Jürgen Kaube, André Kieserling, Die gespaltene Gesellschaft, Rowohlt, 288 Seiten, 24,– €
Jürgen Kaube, André Kieserling, Die gespaltene Gesellschaft, Rowohlt, 288 Seiten, 24,– €
Quelle: Rowohlt Verlag

6. (-) Arm gegen Reich, Ost gegen West, Impfwillige gegen Impfgegner – die Spaltung der Gesellschaft wird oft behauptet. Ist sie aber wirklich das Merkmal unserer Zeit? Waren frühere Gesellschaften also besser integriert? Die Soziologen Jürgen Kaube und André Kieserling dekonstruieren die beliebte Floskel – und erklären, wann Unterschiede tatsächlich zu einem gesellschaftlichen Problem werden. 28 Punkte

Kira Vinke, Sturmnomaden. Wie der Klimawandel uns Menschen die Heimat raubt, dtv, 320 Seiten, 23,– €
Kira Vinke, Sturmnomaden. Wie der Klimawandel uns Menschen die Heimat raubt, dtv, 320 Seiten, 23,– €
Quelle: dtv

6. (-) Ob in Bangladesch, Burkina Faso oder auf den Marschall-Inseln: Die Klimaforscherin Kira Vinke hat weltweit Menschen getroffen, deren Existenzen durch Dürren, Stürme und den steigenden Meeresspiegel bedroht sind. Sicher ist: die Migration wird durch die Klimakrise zunehmen. Welche rechtlichen und politischen Maßnahmen sind nötig, um den „Sturmnomaden“ ein Leben in Würde zu ermöglichen? 28 Punkte

W.E.B. Du Bois, Along the Color Line. Eine Reise durch Deutschland 1936, A. d. Englischen von J. von Koppenfels, C.H. Beck, 168 Seiten, 20,– €
W.E.B. Du Bois, Along the Color Line. Eine Reise durch Deutschland 1936, A. d. Englischen von J. von Koppenfels, C.H. Beck, 168 Seiten, 20,– €
Quelle: Verlag C.H. Beck

8. (-) 1936 reist der afroamerikanische Soziologe und Bürgerrechtler W. E. B. Du Bois nach Deutschland. In Bierlokalen, den Wagner-Festspielen in Bayreuth oder den Olympischen Spielen in Berlin erkundet er das Leben in der totalitären Diktatur. Während er selbst kaum Diskriminierung erfährt, entsetzt ihn die Grausamkeit gegenüber den Juden. Jetzt erscheinen seine Reportagen erstmals auf Deutsch. 27 Punkte

Ulrike Herrmann, Das Ende des Kapitalismus. Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – und wie wir in Zukunft leben werden, KiWi, 352 Seiten, 24,– €
Ulrike Herrmann, Das Ende des Kapitalismus. Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – und wie wir in Zukunft leben werden, KiWi, 352 Seiten, 24,– €
Quelle: Verlag Kiepenheuer & Witsch

9. (-) Der Kapitalismus hat viel Gutes hervorgebracht: Wohlstand, Gleichberechtigung, ein längeres Leben. Doch zeigt der Klimawandel: ewiges Wachstum, das zentrale Versprechen des Kapitalismus, kann es ohne dramatische Konsequenzen nicht geben. Die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann legt den Exit-Plan vor: hin zu einer Kreislaufwirtschaft, die nur so viel verbraucht, wie sich recyclen lässt. 24 Punkte

Susan Neiman, Michael Wildt (Hg.), Historiker streiten. Gewalt und Holocaust - Die Debatte, Propyläen, 368 Seiten, 26,– €
Susan Neiman, Michael Wildt (Hg.), Historiker streiten. Gewalt und Holocaust - Die Debatte, Propyläen, 368 Seiten, 26,– €
Quelle: Propyläen Verlag

10. (-) 2021 veröffentlichte der Genozidforscher A. Dirk Moses den Aufsatz „Katechismus der Deutschen“, eine polemische Kritik am Singularitäts-Paradigma des Holocausts. Es war der Beginn einer hitzigen Debatte um das Verhältnis der Kolonialverbrechen zum Massenmord der Nazis. Ein Überblick über diesen Historikerstreit 2.0, mit Beiträgen von Autoren wie Eva Menasse, Per Leo oder Jan Philipp Reemtsma. 21 Punkte

Francis Fukuyama, Der Liberalismus und seine Feinde, Hoffmann und Campe, 224 Seiten, 25,– €
Francis Fukuyama, Der Liberalismus und seine Feinde, Hoffmann und Campe, 224 Seiten, 25,– €
Quelle: Verlag Hoffmann und Campe

10. (-) 1989 kündigte der Politologe Francis Fukuyama nach dem vermeintlichen Sieg des Liberalismus das „Ende der Geschichte“ an. Mehr als 30 Jahre später ist die Welt eine andere: Corona-Beschränkungen, Russlands Expansionspolitik und aggressive Identitätsdebatten – der Liberalismus wird von links wie rechts infrage gestellt. Ein Plädoyer für die Wiederentdeckung der wahren liberaler Tugenden. 21 Punkte

Jedes Jury-Mitglied der Sachbuch-Bestenliste vergibt monatlich an vier Sachbücher je einmal 15, 10, 6 und 3 Punkte.

Die Jury der Sachbuch-Bestenliste: René Aguigah (Deutschlandfunk Kultur), Peter Arens (ZDF), Susanne Billig (Deutschlandfunk Kultur), Ralph Bollmann (F.A.S.), Stefan Brauburger (ZDF), Alexander Cammann (DIE ZEIT), Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel), Heike Faller (DIE ZEIT), Marlen Hobrack (DIE ZEIT), Daniel Fiedler (ZDF), Jenny Friedrich-Freksa (Kulturaustausch), Manuel J. Hartung (ZEIT-Stiftung), Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur), Kim Kindermann (Deutschlandfunk Kultur), Inge Kutter (DIE ZEIT), Hannah Lühmann (DIE WELT), Tania Martini (taz), Susanne Mayer (DIE ZEIT), Peter Neumann (DIE ZEIT), Catherine Newmark (Deutschlandfund Kultur), Jutta Person (freie Literaturkritikerin), Bettina von Pfeil (ZDF), Jens-Christian Rabe (Süddeutsche Zeitung), Christian Rabhansl (Deutschlandfunk Kultur), Anne Reidt (ZDF), Anna Riek (ZDF), Stephan Schlak (Zeitschrift für Ideengeschichte), Hilal Sezgin (freie Autorin), Catrin Stövesand (Deutschlandfunk), Elisabeth von Thadden (DIE ZEIT)

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