Gabriel bei "illner": Gegenoffensive wird lange dauern

    Ex-Außenminister bei "illner":Gabriel: Gegenoffensive wird lange dauern

    von Torben Schröder
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    Kiews Offensive steht bevor. Sigmar Gabriel befürchtet die "schlimmste Landschlacht seit dem Zweiten Weltkrieg". Auch Militärexperte Masala ist sicher: "Es wird kein Durchmarsch."

    Die Warnungen von Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) klingen schauderhaft. "Wahrscheinlich stehen wir vor der schlimmsten Landschlacht seit dem Zweiten Weltkrieg", sagt der Vorsitzende der Atlantik-Brücke. Die ukrainische Gegenoffensive gegen den russischen Aggressor steht bevor, und Gabriel befürchtet, dass sie lange dauern wird: "Das wird furchtbar, und ich sehe nicht, wie das verhindert werden kann, weil beide Seiten diesen Krieg weiter wollen und die Ukraine auf keinen Fall nachgeben wird."
    Logisch, dass an dieser Stelle der ZDF-Sendung "maybrit illner" Widerspruch aufkommt. Die Ukraine will den Krieg? "Die Ukraine würde nichts lieber, als dass dieser Krieg zu Ende geht. Wladimir Putin kann heute seine Truppen abziehen, dann ist der Krieg beendet", sagt Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). Gabriel pflichtet bei, korrigiert seine Formulierung. Die Ukraine habe jedes Recht, sich zu verteidigen. Und doch, beide Seiten hätten ihre strategischen Ziele. Kriege würden in aller Regel in einem langen Verhandlungsprozess beendet, und den sehe er nicht.

    Masala: Es wird kein Durchmarsch

    Es ist nicht die erste Illner-Sendung, in der mit einiger Verzweiflung nach möglichen Szenarien zum Kriegsende gesucht wird. Gabriel erwartet China mit am Verhandlungstisch, was auch deshalb wichtig sei, weil niemand wisse, zu was Putin mit dem Rücken zur Wand bereit wäre. Die chinesische Staatsführung hat offenbar noch einen Zugang zum russischen Präsidenten. Und könnte sich, wie der Militärexperte Carlo Masala sagt, durch eine erfolgreiche Vermittlerrolle auf Augenhöhe zu den USA bringen.
    "Es wird kein Durchmarsch", ist auch Masala von einem zähen, verlustreichen ukrainischen Vordringen überzeugt. Russland habe viel Zeit gehabt, seine Verteidigung aufzubauen. Aktuell werde Verwirrung gestiftet, und die Grenzüberschreitung russischer, Putin-feindlicher Truppen binde Verteidigungskräfte. Aber ein Szenario zum Kriegsende?
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    Die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und die Haltung Deutschlands werfen fundamentale Fragen der Friedensethik neu auf. 10.06.2023 | 58:06 min

    Linken-Fraktionschefin: Ziele der Ukraine unrealistisch

    "Man muss Wege finden, an den Verhandlungstisch zu kommen", sagt die Fraktionschefin der Linken, Amira Mohamed Ali. Die Ziele der Ukraine seien unrealistisch und jeden Tag würden Menschen sterben. Es gelte, die Länder, die Russland unterstützen, an einen Tisch zu bekommen, für wirksame wirtschaftliche Sanktionen. Das Öl-Embargo sieht Mohamed Ali nicht als taugliches Instrument an. Es habe uns und Europa mehr geschadet als Moskau:

    Deutschland befindet sich offiziell in einer Rezession, Russland nicht.

    Amira Mohamed Ali, Fraktionschefin der Linken

    Hier herrsche wegen der hohen Preise "echte Not", auch der globale Süden leide.
    Widerspruch kommt von allen Plätzen. Sanktionen wirken langfristig, betont Masala. Russland ist längst in einer Kriegswirtschaft, bemerkt Strack-Zimmermann. Moskau ist wirtschaftlich sehr wohl der Verlierer, hält Adam Tooze fest, denn es müsse seine Energie viel billiger verkaufen. Der britische Wirtschaftshistoriker betont:

    Europa muss die Ukraine unterstützen, weil Russlands Bedrohung unmittelbar ist

    Adam Tooze, Wirtschaftshistoriker

    In den USA sei die Lage anders, erst recht wenn die Republikaner die nächste Wahl gewinnen sollten.

    Tooze: Selenskyj in tragischer Situation

    Amerika wolle einen Ertrag für seine Investitionen sehen. Bis zum Beginn des Wahlkampfes müsse Kiew daher dringend ein "Momentum" erzielen, so Tooze. Doch die Erfolgsaussichten seien geringer als voriges Jahr. Als "tragisch" bewertet Tooze die Situation für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Sein einziger Ausweg sei ein entscheidender Sieg auf dem Schlachtfeld, der aber sei nicht in Sicht.
    Die "Kampfjet-Allianz" sieht Masala als Signal der Unterstützer-Staaten an die Ukraine, ihr alles Notwendige zur Verfügung zu stellen, um entscheidende Erfolge zu erreichen. Im US-Wahlkampf werde sich die Unterstützung wohl verringern. Die rote Linie, sagt Gabriel, ist für die Nato und die USA, aber auch Russland ein direkter Konflikt miteinander. Diesseits dieser Linie drohen schauderhafte Monate.
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