Ukraine-Krieg: Was die Kampfjetankündigung der USA bedeutet

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    Ukraine bald mit F-16?:Was die Kampfjetankündigung der USA bedeutet

    Katja Belousova
    von Katja Belousova
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    In einem bemerkenswerten Schritt ebnen die USA Kampfflugzeug-Lieferungen an die Ukraine. Warum kommt die Ankündigung jetzt? Und was könnten F-16-Jets bewirken?

    F-16 Kampfjet
    Könnte in der Ukraine zum Einsatz kommen: ein F-16-Kampfjet.
    Quelle: reuters

    Kiews Forderung nach Kampfjets westlicher Bauart steht schon seit Monaten im Raum - doch lange herrschte Zögern unter den westlichen Verbündeten der Ukraine. Nun lässt eine Ankündigung aufhorchen: Die USA zeigen sich beim G7-Gipfel in Japan offen für eine Lieferung ihrer F-16-Jets durch europäische Partnerstaaten an die Ukraine - und wollen eine Ausbildung ukrainischer Piloten unterstützen.
    Die Ankündigung wirft gleich mehrere Fragen auf: Warum erfolgt dieser Schritt gerade jetzt? Und welchen Einfluss könnte er auf den Kriegsverlauf zwischen Russland und der Ukraine haben?
    Der ukrainische Präsident Selenskyj ist zu Gast beim G7-Gipfel. Der russische Angriffskrieg und die Unterstützung der Ukraine gehören zu den Hauptthemen in Hiroshima. 20.05.2023 | 1:49 min

    Warum kommt die US-Kampfjetankündigung jetzt?

    Zum Zeitpunkt der Ankündigung erklärt Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent in Washington: "Joe Bidens grünes Licht für die Lieferung von F-16 Kampfjets durch Verbündete und das Training von ukrainischen Piloten hat einen einfachen Grund: Die Ukraine soll so schnell und so weit wie möglich russisch besetzte Gebiete zurückgewinnen und die Nachschubwege für Russlands Besatzungstruppen auf der Krim abschneiden."
    Nur dann, so die Erwartung in Washington, könne Putin bereit sein, von seinen Maximalforderungen abzurücken.

    Biden läuft die Zeit davon, er braucht diesen Erfolg, um den Eindruck von Schwäche zu widerlegen - im globalen Streit der Systeme und im Präsidentschaftswahlkampf in den USA.

    Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent

    Entscheidend sei auch das Zeichen, das die USA mit ihrer Ankündigung setzen würden, erläutert Militärhistoriker Sönke Neitzel von der Uni Potsdam. "Noch ist für uns Außenstehende unklar, welches operative Ziel mit der Lieferung konkret verfolgt werden wird. Immerhin ist das politische Signal wichtig, dass der Westen die Ukraine weiter unterstützt", sagt er ZDFheute.
    Auch die Bereitschaft Europas spiele bei der Entscheidung der USA eine Rolle, so Neitzel.

    Ich gehe davon aus, dass auch deshalb Bewegung in die Sache gekommen ist, weil europäische Staaten nun gewillt sind, der Ukraine eigene F-16 zu liefern.

    Sönke Neitzel, Uni Potsdam

    Die polnischen MiG-29 eigneten sich in erster Linie zur Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung, für Angriffe auf Russland seien sie ungeeignet. 16.03.2023 | 16:51 min

    Hat Russland mit dem Schritt gerechnet?

    Klar ist: Die Entscheidung kommt nicht unerwartet. "In den letzten Wochen haben sich Absetzbewegungen gegenüber der früheren westlichen Position gezeigt, dass man eben keine westlichen Kampfflugzeuge liefern will", erklärte Gerhard Mangott, Experte für Sicherheitsforschung im postsowjetischen Raum von der Universität Innsbruck, Freitagabend im ORF.
    Moskau habe mit dem Schritt wohl gerechnet, so Mangott. "Aber Russland weiß auch, diese Waffen, die werden erst einsetzbar sein in vier bis sechs Monaten, denn so lange wird ungefähr die Ausbildung ukrainischer Piloten an diesen Flugzeugen dauern", erklärt er.

    Für das, was man als Offensive von der Ukraine jetzt schon seit Wochen erwartet, was vielleicht in der Zukunft bald stattfinden wird, kommen diese Flugzeuge noch nicht rechtzeitig an.

    Gerhard Mangott, Uni Innsbruck

    „Es gibt Bewegung bei der Kampfjet-Frage, die Amerikaner sind jetzt nicht mehr ganz dagegen“, berichtet ZDF-Korrespondent Ulf Röller vom G7-Gipfel in Hiroshima. 20.05.2023 | 2:25 min

    Was könnten Jets für den Kriegsverlauf bedeuten?

    Sind die Jets einsatzbereit, könnte Kiew profitieren, wenn es darum geht, die Angreifer aus Russland zurückzudrängen - Grund ist ihre große Reichweite. Sie würden es etwa ermöglichen, auch alle Ziele auf der von Russland besetzten Krim anzugreifen, sagt Gerhard Mangott.

    Politisch sprechen natürlich alle davon, dass sie an einen Sieg der Ukraine glauben, dass diese wesentlichen Territorien von Russland zurückerobern kann.

    Gerhard Mangott, Uni Innsbruck

    Ob die Jets den Kriegsverlauf letzten Endes wirklich beeinflussen können, hängt auch von der Anzahl und Bewaffnung der Flugzeuge ab. Sönke Neitzel schätzt, "dass es sich um eine niedrige zweistellige Zahl handeln wird, die dazu dient, die kleine ukrainische Luftwaffe am Leben zu erhalten."

    Mit einer grundsätzlichen Änderung der Kräftekonstellation rechne ich nicht.

    Sönke Neitzel, Uni Potsdam

    Es besteht zugleich die Sorge, dass die Ukraine mit den Jets Ziele in Russland ins Visier nehmen könnte. "Das war für die USA bislang immer ein Grund, eben solche Flugzeuge nicht zu liefern oder nicht liefern zu lassen", erklärte Mangott. Das scheine man jetzt aber beiseite geschoben zu haben, weil man im Westen mittlerweile auf einen vollen Sieg der Ukraine setze.

    Und dafür braucht sie solche Flugzeuge.

    Gerhard Mangott, Uni Innsbruck

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    Wird Deutschland auch Jets schicken?

    Die Stimmen aus der deutschen Politik sind zurückhaltend. Schon unter der Woche sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) der "Augsburger Allgemeinen": "Ich habe wiederholt gesagt, dass wir keine Kampfflugzeuge haben, die der Ukraine sofort helfen." Damit bezog Pistorius sich auf die beiden Kampfflugzeugtypen im Besitz der Bundeswehr: Eurofighter und Tornados.
    Und SPD-Chef Lars Klingbeil macht klar: "Jeder hat unterschiedliche militärische Fähigkeiten. Die Kampfjets gehören bei uns nicht dazu". In der "Rheinischen Post" betonte er, hier gelte die Aussage von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Dieser hat die Lieferung von Kampfjets westlicher Bauart vor Wochen als nicht sinnvoll bezeichnet.
    "Deutschland könnte allerdings militärische Flughäfen für die Ausbildung an F-16-Kampfjets zur Verfügung stellen, die durch Piloten aus anderen Ländern durchgeführt wird", schlug die FDP-Politikerin im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe vor. Auch Grünen-Politiker Anton Hofreiter forderte, Deutschland solle prüfen, ob es "einen logistischen Beitrag leisten kann".






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