Karlspreis für Selenskyj - Scholz: "Ukraine ist Europa"

    Selenskyj mit Karlspreis geehrt:Scholz: Ukraine ist Hoffnung für ganz Europa

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    Präsident Selenskyj hat den Aachener Karlspreis entgegengenommen. Die Ukraine sei Teil Europas, so Kanzler Scholz in der Laudatio: "Unsere Geschichte wird gemeinsam weitergehen".

    Standing Ovations für den kleinen Mann in dunklem Sweatshirt und Militärhosen zwischen vielen Anzugträgern: Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist in Aachen der Internationale Karlspreis verliehen worden. Selenskyj erhält die Auszeichnung zusammen mit dem ukrainischen Volk für seinen Widerstand und Mut bei der Abwehr des russischen Angriffskriegs. Nach der Preisverleihung trug er sich in das "Goldene Buch" der Stadt Aachen ein und schrieb: "Together we will win" (Zusammen werden wir siegen).

    Selenskyj: "Wir haben keine Angst"

    "Alle Ukrainer sind Helden. Und alle Ukrainer müssten heute in diesem Saal stehen", beginnt Selenskyj seine Dankesrede. Die Ukraine werde "Europa stärker machen". Zunächst aber sei ein militärischer Sieg gegen Russland unerlässlich. Er betont:

    Um Frieden als Erbe zu hinterlassen, müssen wir mit Euch zu dem Tag gelangen, wenn wir sagen können, dass wir diesen Krieg mit unserem gemeinsamen Sieg beenden.

    Wladimir Putins Aggression richte sich nicht nur gegen sein Land, sondern gegen die europäische Geschichte der vergangenen 70 Jahre und die europäische Zivilisation. Der russische Präsident müsse vor ein Tribunal gestellt werden.
    Und er sagt weiter: "Wir stehen einem Aggressor gegenüber, der zu jeder Grausamkeit und Gemeinheit fähig ist. Aber wir haben keine Angst".

    Ukraines Präsident an Scholz: "Du bist der Verteidiger Europas"

    Dann wendet er sich an den Bundeskanzler: "Ich wende mich persönlich an Dich. Und damit an das starke Deutschland. Als Du von der Zeitenwende gesprochen hast, hast Du Dich als Verteidiger Europas gezeigt. Europa und die Ukraine werden Dir immer dankbar sein. Für die Kraft, die Du Europa und der Ukraine gegeben hast".
    Er beendet die Rede mit den Worten: "Den Frieden vermachen wir unseren Kindern. Das ist das wirkliche Vermächtnis Europas". Und bittet: "Wer Zweifel hat hier im Saal, die Ukraine zu unterstützen. Diese Menschen bitte ich hier in Aachen: Kommt auf die Straße, schaut Euch um, seht das, was wir in der Ukraine anstreben, den Frieden und den Respekt. Das ist das Wichtigste!"

    Scholz: "Geschichte wird gemeinsam weitergehen"

    Die Laudatio hat zuvor Bundeskanzler Olaf Scholz gehalten, der sich im übrigen mittlerweile mit Selenskyj duzt. Er dankt dem Präsidenten und seinem Volk für die "Verteidigung gemeinsamer europäischer Werte" - und erinnert daran, wie Selenskyj am Morgen des russischen Angriffs mit "wirkmächtigen Worten" den Widerstand bekräftigt habe. "'Der Präsident ist hier. Wir alle sind hier'", zitiert Scholz auf Ukrainisch aus der ersten Videobotschaft Selenskyjs und stellt fest: "Wohl selten in der Geschichte hatten so knappe Worte so große Wirkung."
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    Es sei augenblicklich klar gewesen, dass das ukrainische Volk nicht vor Russlands Gewalt weichen, sondern widerstehen werde.

    Mit allergrößter Tapferkeit verteidigt Ihr Euer Land gegen Russlands brutale Aggression. Mit ungeheurer Kraft trotzen alle Tag für Tag den russischen Invasoren.

    Kanzler Scholz zu Wolodymyr Selenskyj

    Scholz sagte weiter: "Europa hat dem ukrainischen Volk und ganz persönlich dem Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sehr viel zu verdanken." Die Ukraine sei durch ihren "Freiheitswillen" und ihre "Widerstandskraft" für ganz Europa "Hoffnung" und "Inspiration". Der Krieg zeige für die Ukraine und für die Europäische Union auf: "Wir stehen zusammen! Wir gehören zusammen! Und: Unsere Geschichte wird gemeinsam weitergehen."
    Damit legt er den Schwerpunkt auf etwas, das der Ukraine neben der militärischen Unterstützung auch noch besonders wichtig ist: die europäische Perspektive. "Die Ukraine ist Teil unserer europäischen Familie", betont er. Die Karlspreis-Verleihung markiere "den Auftakt für ein neues Zusammenwachsen Europas". Und beendete die Rede auf Ukrainisch:

    "Die Ukraine ist hier und die Ukraine ist Europa. Slawa Ukrajini! (Ruhm der Ukraine)

    Olaf Scholz

    Von der Leyen: Stehen an der Seite der Ukraine

    Auch Kommissionspräsidentin der EU, Ursula von der Leyen, würdigt die Ukrainer. "Sie kämpfen buchstäblich für Freiheit, Menschlichkeit und Frieden", sagte sie. Sie sicherten "mit ihrem Blut und ihrem Leben die Zukunft ihrer und auch unserer Kinder." Selenskyj habe den unbedingten Glauben, dass diejenigen, die für etwas kämpften, immer stärker seien als diejenigen, die anderen ihr Joch aufzuzwingen wollten. Sie erinnerte auch an ihre erste Reise in der Ukraine nach Kriegsausbruch.

    Ich habe die Massengräber neben der Kirche gesehen, die dicht an dicht liegenden Leichensäcke,

    Ursula von der Leyen zu Präsident Selenskyj

    sagte sie mit Blick auf ihren Besuch des Kiewer Vororts Butscha, der im Frühjahr 2022 von russischen Truppen besetzt war und wo später die Leichen Hunderter Zivilisten gefunden wurden. Sie endet mit den Worten:

    Wir stehen an der Seite der Menschen in der Ukraine. Slawa Ukrajini.

    Ursula von der Leyen zu Wolodymyr Selensky

    Selenskyj war im Krönungssaal des Aachener Rathauses mit stehenden Ovationen empfangen worden. Er war in der Nacht zu Sonntag in Deutschland gelandet. Es ist sein erster Besuch hierzulande seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022. Nach Gesprächen mit Olaf Scholz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin flog er gemeinsam mit dem Kanzler zur Preisverleihung nach Aachen.

    Europäische Ehrung
    :Karlspreis für Selenskyj und Ukraine

    Der Karlspreis 2023 geht an den ukrainischen Präsidenten Selenskyj und das ukrainische Volk. Der Preis wird seit 1950 für Verdienste um Europa verliehen.
    Der ukrainische Präsident Selenskyj schaut auf die Seite. Im Hintergrund ist die ukrainische Flagge.
    Quelle: ZDF, AFP

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