Craniomandibuläre Dysfunktion: Symptome und Behandlung
Craniomandibuläre Dysfunktion:Schmerzhafte Fehlfunktion im Kiefergelenk
von Bianca Koch
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Von Kieferknacken, Kopf- und Nackenschmerzen bis Tinnitus: Eine craniomandibuläre Dysfunktion kann etliche Beschwerden hervorrufen. Diagnose und Therapie sind eine Herausforderung.
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Sie kann Beschwerden im Kopf- und Nackenbereich sowie im gesamten Köper auslösen: die craniomandibuläre Dysfunktion, kurz CMD. Unter diesem Überbegriff werden Funktionsstörungen im Kiefergelenk und im Bereich der Kaumuskulatur und Zähne zusammengefasst. Das Krankheitsbild ist weit verbreitet und betrifft Menschen aller Altersgruppen.
Zähneknirschen ist häufigste Ursache
Die Ursachen für CMD sind vielfältig. Häufigster Auslöser ist Stress, der zu Zähneknirschen oder -pressen (Bruxismus) führt. Die ständige Überbelastung der Kiefermuskulatur kann das Kiefergelenk stark beanspruchen, was Schmerzen oder Verspannungen auslöst. Außerdem schadet Knirschen der harten Zahnsubstanz, sagt Carsten Czerny. Er ist Zahnarzt und hat sich auf die Behandlung von Kiefergelenkserkrankungen spezialisiert.
Knirschen sorgt dafür, dass die Zähne zu stark belastet und abgenutzt werden.
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Carsten Czerny, Zahnarzt
Durch Fehlfunktionen wie Zähneknirschen, kann laut Czerny eine kleine Knorpelscheibe im Kiefergelenk verrutschen, der sogenannte Diskus articularis.
Als Diskusverlagerung wird die Fehlposition einer Gelenkscheibe aus Faserknorpel (Diskus articularis) im Kiefergelenk bezeichnet. Sie liegt zwischen dem Unterkieferknochen und dem Schädelknochen und dient als Puffer, um reibungslose Bewegungen zu gewährleisten.
Bei einer Diskusverlagerung mit Reposition ist der Diskus aus seiner normalen Position nach vorne oder zur Seite verschoben, springt aber bei Bewegung des Kiefers wieder in seine ursprüngliche Position zurück. Dies äußert sich oft durch ein Knacken, zum Beispiel beim Öffnen des Mundes.
Bei einer Diskusverlagerung ohne Reposition ist die Knorpelscheibe dauerhaft verlagert. Dies kann zu einem eingeschränkten Öffnen des Mundes führen.
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Weitere Ursachen für CMD
Eine körperliche Fehlhaltung, zum Beispiel durch eine schiefe Hüfte oder ein verkürztes Bein, kann sich laut Czerny ebenfalls negativ auf die Kieferfunktion auswirken.
Steht die Wirbelsäule aufgrund einer falschen Beinstellung nicht gerade, kann es sein, dass auch der Kopf nicht gerade auf der Wirbelsäule sitzt. Das führt dann am Kiefer zu Problemen.
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Carsten Czerny, Zahnarzt, Tätigkeitsschwerpunkt Funktionsdiagnostik und -therapie
Auch Muskelverspannungen im Nacken können bis in die Kiefermuskulatur ausstrahlen. Fehlstellungen der Zähne oder ein ungleichmäßiger Biss können ebenfalls zur Überlastung des Kiefergelenks führen.
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von Corinna Klee
mit Video
Essen wird zunehmend schmerzhaft
Patienten mit CMD berichten oft, dass beim Kauen, Sprechen oder Gähnen Schmerzen auftreten. Viele bemerken außerdem ein Knacken oder Knirschen beim Öffnen oder Schließen des Mundes. In schweren Fällen kann der Mund nicht mehr vollständig geöffnet werden.
Wenn die schmerzhafte Diskusverlagerung die Nahrungsaufnahme einschränkt, muss gehandelt werden.
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Carsten Czerny, Zahnarzt
Die Knorpelscheibe muss dann unter Umständen operativ entfernt werden, um wieder ein Mundöffnen zu ermöglichen. Einige Patienten berichten von Ohrgeräuschen oder Schwindel, die durch die Nähe zu Innenohr und Gleichgewichtsorgan ausgelöst werden können. CMD kann außerdem Spannungskopfschmerzen und Migräne verursachen. Die Vielzahl an Symptomen erschwert die Diagnose.
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Die gründliche Untersuchung durch einen Zahnarzt ist unerlässlich. Er überprüft die Beweglichkeit des Kiefers sowie die Zahnstellung und die Kaumuskulatur. Röntgenaufnahmen, Magnetresonanz- oder Computertomografie können dann strukturelle Veränderungen im Kiefergelenk oder in der Kaumuskulatur sichtbar machen.
Bei einer instrumentellen Funktionsanalyse wird die Lage und Bewegung des Kiefers im Zusammenspiel mit den Zähnen von speziellen Geräten aufgezeichnet. So können Abweichungen in der Bewegung und der Belastung des Kiefergelenks genau analysiert werden. Solche Maßnahmen gehören jedoch nicht zur zahnärztlichen Behandlung und werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt.
Patienten mit CMD werden individuell behandelt
Die Behandlung orientiert sich an den Symptomen. Oft kommen Aufbissschienen zum Einsatz. Sie werden meist nachts getragen, um Ober- und Unterkiefer wieder in eine entlastende Position zu bringen.
Wenn Patienten sehr stark knirschen oder pressen, ist es recht häufig, dass man das Dauerbehandeln muss.
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Carsten Czerny, Zahnarzt
Bei Fehlstellungen der Zähne oder des Kiefers kann eine kieferorthopädische Behandlung den Biss korrigieren. In schweren Fällen ist Zahnersatz mit Kronen, Brücken oder Implantaten notwendig.
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Verspannungen im Bereich der Kau-, Nacken- und Schultermuskulatur können durch Physiotherapie gelöst werden. In akuten Schmerzphasen helfen Schmerzmittel und antirheumatische Medikamente gegen eine entzündliche Reizung.
Einige Patienten nehmen nachts muskelentspannende Präparate, um nicht so stark zu knirschen. In schweren Fällen können Injektionen mit Botulinumtoxin helfen, Verspannungen einzelner Muskeln vorübergehend zu lösen.
Da sich hinter einer CMD verschiedenste Erkrankungen verbergen können, sind die Heilungsaussichten unterschiedlich. Prinzipiell gilt: Je früher und konsequenter eine beginnende CMD angegangen wird, desto besser die Prognose.
Quelle: dpa
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