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Eine Wahl, zwei Drei-Stufen-Tests und viel Spannung

Die Sitzung des Fernsehrates vom 1. Oktober im Rückblick

Die Fernsehratssitzung vom 1. Oktober 2021 hat sich nach der Wahl von Norbert Himmler zum künftigen ZDF-Intendanten in der vorherigen Sitzung wieder voll und ganz auf die Inhalte konzentriert. Und da gab es viel zu besprechen. Gleich zu Beginn ging es erneut um eine Wahl - dieses Mal um die Bundestagswahl und die Berichterstattung darüber. Aber auch die anderen Themen wurden detailliert von den Mitgliedern des Fernsehrates diskutiert.

Zum Auftakt der Sitzung des Fernsehrates ging es um die Wahl. An diesem Freitag allerdings nicht mehr um die Wahl des künftigen ZDF-Intendanten Norbert Himmler, die in der vergangenen Sitzung des Gremiums erfolgte – sondern um die Bundestagswahl. Der derzeitige Intendant Thomas Bellut lobte die ausgewogene Wahlberichterstattung beim ZDF und insbesondere auch den Partner für Prognosen und Hochrechnungen, die Forschungsgruppe Wahlen. Die Daten im ZDF seien dem amtlichen Endergebnis sehr nahegekommen. Auch die Akzeptanz beim Publikum sei deutlich gestiegen, „die ARD lag vorn, aber nicht mehr so deutlich“, zeigte sich Bellut erfreut, die Marktanteile bei den 14- bis 49-Jährigen seien zweistellig gewesen.

Allerdings habe es im Vorfeld Verbesserungspotential bei der Moderation des Triells der Kanzlerkandidaten gegeben. Bellut kündigte eine rückblickende Vorlage zur Wahlberichterstattung an. Aus den Reihen des Fernsehrates gab es auch Kritik an der Themenauswahl beim Triell, so sei etwa zu wenig über Außenpolitik und Wirtschaft debattiert worden. Hans-Günter Henneke mahnte an, strukturelle Veränderungen im Parteiensystem besser aufzugreifen. Wilhelm Schmidt wies auf die aus seiner Sicht inakzeptable Übernahme des ZDF-TV-Signals durch Bild TV hin.

Gutachten zum Drei-Stufen-Test

In einem ausführlich behandelten Tagesordnungspunkt ging der ZDF-Fernsehrat in eine detaillierte Beratung der Drei-Stufen-Tests zu den Telemedienänderungskonzepten von 3sat und phoenix. Die Konzepte sehen wesentliche Änderungen in den Bereichen eigenständige audiovisuelle Inhalte („Online-Only“), Verweildauer/Archivkonzept sowie der Verbreitung der Inhalte über Drittplattformen vor.

Im Rahmen eines Drei-Stufen-Tests sind grundsätzlich folgende Fragen zu klären: 1. Stufe: Entsprechen die Angebote den demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft? 2. Stufe: In welchem Umfang tragen sie in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb bei? Und 3. Stufe: Welcher finanzielle Aufwand ist hierfür erforderlich?

Zu den Änderungskonzepten von 3sat und phoenix sind 14 (3sat) bzw. 11 (phoenix) Stellungnahmen beim Fernsehrat eingegangen. Der Verband Privater Medien, VAUNET, hatte eingewendet, die marktlichen Auswirkungen der geplanten Neuerungen seien unzureichend geprüft. In der Sitzung des Fernsehrates informierte Professor Klaus Goldhammer über die durchgeführten Marktgutachten, mit denen sein Beratungs- und Forschungsunternehmen Goldmedia vom Fernsehrat beauftragt wurde. Auch erläuterte er den Mitgliedern die angewendete Methodik: Im Rahmen der Untersuchung hatten die Experten neben einer Markt- und Angebots-Analyse auch eine repräsentative Befragung von Nutzern in die Bewertung einfließen lassen. In beiden Fällen kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass die geplanten Änderungen bei den Telemedienangeboten sehr geringe Auswirkungen auf den Markt und die nachgelagerten Märkte haben.

Krimi als wichtiges Genre beim ZDF

In einer weiteren Aussprache befasste sich der Fernsehrat mit Krimi-Formaten des ZDF. Intendant Thomas Bellut: „Krimis sind wichtig für alle Sender in Europa“. Auch das ZDF stehe zu dem Genre. Die Anstrengungen, das Programm insgesamt möglichst breit aufzustellen, würden fortgesetzt.

Pater Hans Langendörfer verwies als Vorsitzender des Programmausschusses Programmdirektion auf die intensiven Diskussionen zum Thema im vorberatenden Ausschuss. Er sprach die in der Vorlage ausgeleuchteten integrativen Möglichkeiten von Kriminalfilmen an. Zudem lobte er den Jugendmedienschutz beim ZDF in Sachen Krimis. Er machte aber auch deutlich, dass manche Mitglieder den hohen Programmanteil des Genres skeptisch sehen.

ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler betonte, dass ein Krimianteil von 17 Prozent die gesamten ausgestrahlten Sendeminuten zur Basis habe, dabei seien auch zahlreiche Wiederholungen mitgezählt. Die Erstausstrahlungen belegten lediglich zwei Prozent der Sendefläche. Das Genre sei zudem sehr vielfältig und es gebe erhebliche Unterschiede zwischen den Serien am Vorabend oder etwa den Freitags-, Samstags-, oder den internationalen Krimis. Himmler kündigte eine Umschichtung der Mittel im fiktionalen Bereich an, insbesondere zur Stärkung von Familien- und Dramaserien sowie Sitcoms.

Darüber hinaus befasste sich der ZDF-Fernsehrat u.a. mit dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Rundfunkbeitrag, mit dem Streaming-Netzwerk von ARD und ZDF sowie mit der „heute“-Familie, und wies nach ausführlicher Befassung in den Ausschüssen vier Programmbeschwerden als unbegründet zurück.

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