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Gesellschaftliche Debatte

Programmschwerpunkte und Themen

Engagement für die Gesellschaft

Gesellschaftliche Debatten anzustoßen und zu befördern ist eine der Kernaufgaben der ZDF-Programmarbeit. Die Kombination emotionaler fiktionaler Stoffe mit authentisch dokumentierten realen Fallbeispielen im direkten Anschluss eignet sich dazu besonders.

Selbstbestimmtes Leben im Alter

Tanzszene aus "Sein gutes Recht" mit Thekla Carola Wied und Matthias Habich
"Sein gutes Recht" - Leni (Thekla Carola Wied) liebt ihren kranken Jugendfreund Max (Matthias Habich) über alles. Quelle: ZDF/Willi Weber

Einen solchen Akzent setzte das ZDF im März 2015 mit dem Drama "Sein gutes Recht" und einer anschließenden Dokumentation. Der Fernsehfilm erzählt die Geschichte eines vereinsamten Rentners, der nach ersten Anzeichen von Altersdemenz auf Veranlassung von Nachbarn per Gerichtsbeschluss unter Betreuung gestellt wird. Den dringend notwendigen Arztbesuch und die ebenfalls überfällige Bestellung eines Heizungsmonteurs kann nun nur der beauftragte Anwalt veranlassen. Der aber weilt im Urlaub, seine Kanzlei wirkt überfordert. Als sich eine Jugendfreundin engagiert, wird alles noch komplizierter. Bald werden ihr unlautere Absichten unterstellt, die – wie sich herausstellt – die Kanzlei selbst verfolgt.

Demenz, psychische und andere Erkrankungen, Sucht – es kann jeden treffen. Schon heute sind 1,3 Millionen Menschen in Deutschland auf Betreuung angewiesen. Tendenz: steigend. Das Prinzip der Betreuung, das hilfsbedürftige Menschen nicht mehr wie früher entmündigt, sondern nur dort unterstützen soll, wo sie wirklich Hilfe benötigen, stößt an seine Grenzen. Diese Grenzen zeigte auch die Dokumentation "Sein gutes Recht – Leben mit Betreuung" auf. Mangelnde Kontakte zu den Betreuten, unzureichende Kontrolle durch die zuständigen Amtsgerichte, Überforderung, in Einzelfällen sogar Betrug und Unterschlagung werfen Schatten auf ein System, das gerade Würde und weitestgehende Selbstbestimmung des Einzelnen bewahren will. Dabei stellt die Dokumentation nicht nur Schicksale von Betreuten vor, sondern auch die alltägliche Arbeit einer Berufsbetreuerin, die für ihre Schützlinge mit Angehörigen und Behörden streitet und dabei nicht immer die Zustimmung ihrer Klienten findet.

Geschichte verstehen

Besondere Kulminationspunkte gesellschaftlicher Debatten stellen häufig die Jahrestage historischer Ereignisse und Zäsuren dar. Gerade im Jahr 2015 bot sich für das ZDF die Gelegenheit, in zwei Programmschwerpunkten auf die deutsche Geschichte zurückzublicken, durch die Kombination verschiedener Genres eine breites Publikum zu erreichen und die öffentliche Diskussion um die historischen Lehren für die Gegenwart und die Zukunft zu bereichern.

Heiner Lauterbach und Henriette Confurius in "Tannbach"
Heiner Lauterbach und Henriette Confurius in "Tannbach"

Zweiten Weltkriegs und der Befreiung des Konzentrationslagers in Ausschwitz widmete sich das ZDF unter anderem in der zweiteiligen Dokumentation "Wir Geiseln der SS" und der 75-minütigen szenischen Dokumentation "Mit dem Mut der Verzweiflung", die den Blick auf das Menschheitsverbrechen richtete, dem allein sechs Millionen Juden zum Opfer fielen. Im Anschluss an die Dokumentation, die das Schicksal von Menschen in Ausschwitz schilderte, berichteten in der Sendung "Markus Lanz" Holocaust-Überlebende in eindringlicher Weise von ihren Erlebnissen. In der »Stunde Null« setzte der qualitativ herausragende dreiteilige Fernsehfilm "TANNBACH – Schicksal eines Dorfes" ein und erzählte zum Jahresbeginn 2015 anhand der Lebenswege der Bewohner eines kleinen Ortes an der bayerischthüringischen Grenze von den Schicksalsmomenten im Nachkriegsdeutschland auf dem Weg zur deutsch-deutschen Teilung. Die anschließende Dokumentation ließ Zeitzeugen zu Wort kommen, die ihre persönlichen Erlebnisse aus den Jahren des Kalten Krieges schilderten.

Das ZDF stellt dabei auch aktuelle Bezüge her – so etwa anlässlich des 70. Jahrestags des Kriegsendes. Neben umfangreicher Regelberichterstattung wurde am 26. Januar 2015 die Gedenkstunde zur Befreiung von Auschwitz live aus Berlin übertragen. Am Tag darauf folgte ein knapp zweieinhalbstündiges "ZDFspezial" mit der Liveübertragung der Gedenkfeier in Auschwitz.

Im Hinblick auf den Jahrestag beschäftigte sich auch der Dokumentationskanal ZDFinfo in der achtteiligen Dokumentationsreihe "Die Wahrheit über den Holocaust" mit der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Bei der Produktion handelt es sich um eine internationale Zusammenarbeit mit dem französischen und israelischen Fernsehen.

Immer wieder befassen sich ZDFinfo-Dokumentationen mit Facetten der deutschen Geschichte, die bisher wenig im Fokus von Fernsehdokumentationen standen. 2016 etwa startete die sechsteilige Doku-Reihe "Erbe der Nazis" über den Umgang mit Nazi-Tätern in Deutschland nach 1945.

Lara Mandoki und Constantin von Jascheroff beim Autotest
Honorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und André Böhm
"Geh doch nach drüben" - Lara Mandoki und Constantin von Jascheroff beim Autotest Quelle: ZDF

Ebenfalls 2015 jährte sich zum 25. Mal die Wiedervereinigung Deutschlands, an die das ZDF in einer Reihe von Sendungen unter dem Label »Deutschland 25« erinnerte. Unter dem Titel "Geh doch nach drüben" spürte das ZDF in einer zweiteiligen Dokumentation dem Lebensgefühl von damals nach. Der Film zeigte, wie unterschiedlich die Menschen in Ost und West aufwuchsen und wie ihre politischen und wirtschaftlichen Systeme sie prägten. Maybrit Illner fragte in einem Themenabend "Sind wir ein Volk?": In einer Mischung aus Analyse, Bestandsaufnahme und einer Portion Humor wurde deutsche Wirklichkeit ergründet und darüber hinaus diskutiert, wo das Land 25 Jahre nach der deutschen Einheit steht. Eher unterhaltsam näherte sich dem Thema eine Spezialausgabe der Show "Der Quiz- Champion" am 3. Oktober.

Flüchtlingskrise und Integration

Die sich durch den Bürgerkrieg in Syrien dramatisch zuspitzende Flüchtlingskrise hat Europa und insbesondere Deutschland seit dem Sommer 2015 in extremer Weise vor vielfältige Herausforderungen gestellt. Das ZDF hat daher sehr umfassend in seinen Nachrichtensendungen und aktuellen Magazinen, in zahlreichen Reportagen und Dokumentationen sowie in Talkformaten über alle Aspekte und Hintergründe informiert und den unterschiedlichen politischen Positionen Raum gegeben.

So wurde Anfang September 2015 ein Thementag "Zuflucht Europa" initiiert: Sendungen wie "heute in Europa" beschäftigten sich monothematisch mit dem Spannungsverhältnis, in dem sich Flüchtlinge befinden – sie haben ihre alte Heimat verlassen, um in einem neuen Land Fuß zu fassen. Im Rahmen des Thementags stellte das ZDF auch sehr früh in der Flüchtlingskrise die Frage, wie es um die Integration bestellt ist. "Ein Staat zwei Welten – Einwanderer in Deutschland" hieß die Dokumentation von ZDFzoom.

Die Kinder von Aleppo - Sara mit Schirm
"Die Kinder von Aleppo" Quelle: ZDF

Ein Höhepunkt in der Flüchtlingsberichterstattung war die auslandsjournal-Dokumentation "Das Schicksal der Kinder von Aleppo – Neue Heimat Deutschland" – die Fortsetzung der preisgekrönten Dokumentation "Die Kinder von Aleppo". Das Schicksal einer syrischen Familie wurde über einen Zeitraum von drei Jahren begleitet: von ihrem Leben an der Frontlinie in der syrischen Stadt Aleppo bis zu einem Neuanfang in Goslar.

Neben aktuellen Reportagen von den Brennpunkten der Flüchtlingskrise lieferte das "auslandsjournal" zudem Einblicke in die innenpolitischen Auswirkungen in den Nachbarländern: Inwieweit nutzen Rechtspopulisten in Italien, Frankreich oder Österreich die Krise? Den Blick auf Deutschland hat der "Länderspiegel": Seit September 2015 wurde in einer Serie unter der bewusst provokanten Überschrift "Wie viele Flüchtlinge verträgt meine Stadt?" in bisher 19 Beiträgen die spezifische Situation in je einer Kommune dargestellt. So konnte die Redaktion ein sehr differenziertes Gesamtbild der Lage in Deutschland zeichnen.

Auch die "ZDFzeit" befasste sich im November 2015 mit der viel diskutierten Frage Wie viele Flüchtlinge verträgt Deutschland?. Im selben Monat wurden in einer weiteren Folge mit dem Titel "Wie viel Islam verträgt Deutschland?" die Herausforderungen und Chancen einer multikulturellen Gesellschaft analysiert. Dem Thema Integration widmete sich auch eine achtteilige Reportagereihe namens "Mein Land, Dein Land" im Sommer 2016: Hier wurden Stadtviertel in Deutschland vorgestellt, die von Zuwanderung geprägt sind. Die Reportagen gingen der Frage nach, warum Menschen einer Nationalität bevorzugt in einem Viertel zusammenleben, und zeigte, welche Vorstellungen, Wünsche und Ängste Zuwanderer der verschiedenen Generationen prägen.

Die Integration von Flüchtlingen ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, der sich das ZDF stellt. So gibt es neben der breiten Berichterstattung auch gezielte Angebote für Flüchtlinge. Zum Beispiel werden Sendungen wie die täglichen logo!-Nachrichten in der Mediathek auch mit arabischen Untertiteln angeboten.

Eva (Iris Berben) sitzt zusammen mit ihrer Schülerin Sevda (Ava Celik) in einer Moschee.
"Die Neue" - Eva (Iris Berben) sitzt zusammen mit ihrer Schülerin Sevda (Ava Celik) in einer Moschee. Quelle: ZDF/Christian Schulz

Auch das breite ehrenamtliche Engagement in Deutschland wurde im ZDF-Programm in all seinen Facetten dargelegt. Gleichzeitig widmete sich www.heute.de in einer zehnteiligen Serie namens "Gekommen, um zu bleiben" Mitbürgern, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Um die dabei häufig auftretende Frage, wie viel Diversität und Toleranz unsere Gesellschaft verträgt, geht es auch in dem Fernsehdrama "Die Neue", in dem eine junge Muslimin Grenzen austestet. Zunächst scheint die Schulwechslerin mit dem streng gebundenen Kopftuch auf wenig Verständnis ihres neuen Umfelds hoffen zu dürfen. Ihre Lehrerin hingegen will die strenggläubige Türkin unbedingt verstehen, erwirkt sogar ihre Befreiung vom Sportunterricht – gegen den Willen der Klasse, der Kollegen und auch der säkular eingestellten Eltern, die den religiösen Eifer ihrer Tochter nicht verstehen. Als sie heimlich einen Gebetsraum in der Schule einrichtet und zwei weitere Schülerinnen nur noch verschleiert zum Unterricht erscheinen wollen, eskaliert die Situation.
Es ist nicht selbstverständlich, dass einem aufwendigen Fernsehfilm mit einem produktionellen in diesem Fall im Oktober 2015 eine thematische Punktlandung gelingt. Dass die großen Fragen des Films nach Identität und Selbstbestimmung, Integration und Konformismus so aktuell und lebensnah thematisiert werden konnten, liegt nicht zuletzt an der kenntnisreichen Regiearbeit der Deutschtürkin Buket Alakus und der fachlichen Beratung durch eine Sozialwissenschaftlerin. Aber erst die darstellerische Leistung vor allem der beiden Hauptfiguren macht für den Zuschauer greifbar, dass der interkulturelle Konflikt vor allem getrieben ist durch eigene Projektionen und Ängste der Lehrerin, der Schüler und des Kollegiums.

Gedächtnis der Nation

Seit mehr als vier Jahren ist der vom ZDF geförderte gemeinnützige Verein Unsere Geschichte. Das Gedächtnis der Nation mit seinem mobilen Aufnahmestudio, dem »Jahrhundertbus «, in ganz Deutschland unterwegs, um persönliche Erinnerungen an die wechselvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts zu sammeln. Über 1.000 Zeitzeugen erzählten bislang vor der Kamera, wie sie etwa den Zweiten Weltkrieg, die Wirren der Nachkriegszeit oder ihren Alltag im geteilten Deutschland erlebt haben. Aus diesen Interviews und Hunderten Zeitzeugengesprächen der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte aus früheren Jahren sind mittlerweile mehr als 6.000 Videoclips entstanden. Auf der von Google und YouTube aufgebauten Internetplattform www.gedaechtnis-der-nation.de sind die Beiträge sowie ein Begleitangebot mit 100 Kurzfilmen abrufbar. Seit dem Start des Projekts im Oktober 2011 klickten die User über 14 Millionen Mal auf die Webinhalte des Vereins, zu denen auch mehr als 200 redaktionelle Beiträge auf Google+ und Facebook zählen.

Der gemeinnützige Verein hat sich in der Zeitzeugenarbeit bundesweit mehr und mehr als professioneller »Dienstleister« für Museen und Gedenkstätten profiliert. Die gemeinsam mit dem Deutschen Historischen Museum im März 2014 eröffnete Medienstation machte die Ausstellungsinhalte dank der darin präsentierten Zeitzeugenvideos noch lebendiger und zog Tausende Besucher an. Zahlreiche Gäste erwartet auch das Mitte März 2016 eröffnete Museum im Grenzdurchgangslager Friedland, für dessen Präsentation und Archiv der Verein in den vergangenen Jahren mit mehr als 100 Zeitzeugen über ihre Migrationsgeschichte gesprochen hat. Thematisch gezielte Interviews entstanden zudem in enger Zusammenarbeit mit dem Museum für Kommunikation in Frankfurt, dem Grenzlandmuseum Eichsfeld, der Gedenkstätte Andreasstraße in Erfurt oder dem AlliiertenMuseum in Berlin, die das Material für künftige Ausstellungen und neue museumspädagogische Projekte verwenden möchten. Immer mehr Kultureinrichtungen nutzen aber auch die bereits gesammelten Interviewbestände des Vereins. So etwa das Haus der Geschichte in Bonn für seine Sonderausstellung Immer bunter. Einwanderungsland Deutschland oder das Ostpreußische Landesmuseum in Oldenburg.

Unterwegs für Kultur und Bildung

Stark nachgefragt waren auch die Bildungsangebote des Vereins, der von der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte nach wie vor inhaltlich und organisatorisch unterstützt wird und seinen Sitz auf dem ZDF-Gelände in Mainz hat. In Präsentationen, Workshops und Seminaren unterstützt der Verein Studierende in ganz Deutschland bei ihrer wissenschaftlichen Zeitzeugenarbeit. Engagierte Gymnasiasten aus dem schwäbischen Bietigheim-Bissingen nutzten den Aufenthalt des »Jahrhundertbus« in der Stadt, um ihr lokalhistorisches Zeitzeugenprojekt mit audiovisuellen Quellen zu ergänzen. Darüber hinaus greifen Lehrer und Schüler auch auf die mit dem Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) erarbeiteten Unterrichtsmaterialien zu, die mittlerweile 16 lehrplanrelevante Themen abdecken.

Präsent war der »Jahrhundertbus« auch bei den offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Hannover (2014) und in Frankfurt am Main (2015) sowie beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung (2015) in Berlin. Hier informierten sich Hunderte von Menschen über die Vereinsarbeit und erzählten von ihren ganz persönlichen Erinnerungen an die deutsche Teilung und die Wiedervereinigung.

2016 wird der Verein noch enger mit den großen vom Bund geförderten Museen und Gedenkstätten zusammenarbeiten und sie bei der Erschließung, Sicherung und Erweiterung ihrer audiovisuellen Zeitzeugeninterviews mit seinem Fachwissen unterstützen.

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