Fußball: Tuchels Charme-Offensive beim FC Bayern

    Vor dem DFB-Pokal gegen Freiburg:Tuchels Charme-Offensive beim FC Bayern

    von Maik Rosner
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    Komplizierter Klub - ein als kompliziert geltender Coach: Thomas Tuchel kommt in seinen ersten Tagen als Bayern-Coach bestens an. Am Dienstag geht's im DFB-Pokal gegen Freiburg.

    Thomas Tuchel
    Thomas Tuchel steht vor seinem zweiten Pflichtspiel als Trainer des FC Bayern.
    Quelle: epa

    Es war ein Ritterschlag, der in der Stildebatte über die Entlassung von Thomas Tuchels Vorgänger Julian Nagelsmann beinahe unterging. Der neue Trainer sei "die Ideallösung", seine Pressekonferenzen, "waren summa cum laude, eine druckreife Ausdrucksweise", befand der Laudator Uli Hoeneß verzückt:

    Das ist Bayern München. Er hat diesen Verein in zwei Tagen verinnerlicht.

    Uli Hoeneß

    Es könnte sein, dass Hoeneß' Lobrede viel damit zu tun hat, dass Thomas Tuchel auch Uli Hoeneß verstanden hat. "Der FC Bayern ist Uli Hoeneß und Uli Hoeneß ist der FC Bayern", hatte Tuchel vor seinem gelungenen 4:2-Einstand gegen Dortmund gesagt.

    Ein Honigtopf für Hoeneß

    Bevor Tuchel unterschrieb, hatte er das Gespräch mit Hoeneß gesucht, ehe er sich öffentlich bei diesem fürs Vertrauen bedankte. Er habe Hoeneß versichert, "dass ich mein Bestes gebe, um gut auf seinen Klub aufzupassen", erzählte Tuchel.
    Fußball: Thomas Tuchel, Trainer des FC Bayern.
    Thomas Tuchel als Nagelsmann-Nachfolger beim FC Bayern - geht das gut? Sportjournalist Manu Thiele analysiert den Trainerwechsel.30.03.2023 | 14:49 min
    Es war ein riesiger Honigtopf, den er für den Ehrenpräsidenten aufstellte, und Hoeneß sprang voller Wonne hinein.

    Schon jede Menge Pluspunkte für Tuchel

    Wenn der FC Bayern am Dienstag, 20:45 Uhr, den SC Freiburg im Viertelfinale des DFB-Pokals empfängt, erlebt Tuchel gerade einmal seinen zehnten Arbeitstag bei seinem neuen Verein und sein erstes K.o.-Spiel.
    Doch der 49-Jährige hat schon so viele Pluspunkte gesammelt wie einige Vorgänger in ihrer ganzen Amtszeit nicht.

    Klinsmanns Rosskur, Tuchels Demut

    Jürgen Klinsmann seinerzeit verordnete dem FC Bayern bei seinem Amtsantritt eine Rosskur und eckte sofort an. Tuchel nimmt den FC Bayern, wie er ist. Er begegnet dem Verein und seinen Protagonisten mit jenem Respekt, den man am Tegernsee schätzt.
    Tuchel weiß, dass es noch immer sehr ratsam ist, sich gut mit Hoeneß zu stellen, wenn man in diesem Verein was werden will. Und Tuchel hat sich offensichtlich einiges vorgenommen beim FC Bayern. Er scheint gekommen zu sein, um lange zu bleiben.
    Das zeigt sich durch seine Demut und auch daran, dass Tuchel darauf verweist, hier zu Hause zu sein.

    Tuchels Botschaft: Einer von Euch

    Er wohne ja ohnehin wieder in München, ebenso seine Kinder. Tuchel erinnerte an seine Anfänge als Nachwuchstrainer des FC Augsburg, zu dem er jahrelang von München aus gefahren ist, vorbei an der Arena des FC Bayern.
    Bei diesem Verein nun das Traineramt ausüben zu dürfen, sei "ein großes Geschenk", sagte er, zumal in seinem Heimat-Bundesland Bayern. Die Botschaft: Ich bin einer von euch, hier bin ich zu Hause.

    Tuchel will seinen Ruf korrigieren

    Davon erzählte auch seine selbstironische Anekdote aus seiner Hobbykicker-Zeit in der Stadt, als er für den "FC E-Garten" spielte, benannt nach dem Englischen Garten. "Das war sensationell, mit Freunden kicken", sagte Tuchel, es gebe "nichts Schöneres". Einmal habe er sich allerdings selbst ausgewechselt, "weil ich das Gefühl hatte: Ich bin zu alt, ich bin der Hemmschuh."
    Es sind solche Geschichten, mit denen er Sympathien gewinnt. Und mit denen er auch versucht, seinen Ruf zu korrigieren, ein schwieriger, anstrengender Charakter zu sein.

    Skepsis bei Weggefährten

    Wenn die ersten Eindrücke nicht täuschen, kann sich Tuchel offenbar gut vorstellen, in seiner langjährigen Wahlheimat lange beim FC Bayern zu bleiben. Sein Vertrag endet im Juni 2025, aber wenn es gut läuft, könne es ja weitergehen, ließ er schon bei seiner Vorstellung wissen.
    Bis dahin kann natürlich viel passieren - und sowohl Weggefährten von Tuchel, als auch Weggefährten des FC Bayern äußern Skepsis, ob sie es lange und ohne Krach miteinander aushalten.

    Müllers Vorsicht, Hitzfelds Ära

    "Man muss sich auch in den schwierigen Momenten kennenlernen", findet Thomas Müller. Das gilt übrigens auch umgekehrt.
    Aber mal angenommen, es würde was Festes: Es wäre eine hübsche Pointe, wenn der als kompliziert geltende Tuchel mit dem als kompliziert geltenden Verein eine Ära hinbekommt.

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