In der Kritik: Hoffenheims Trainer Pellegrino Matarazzo.
Quelle: Imago / Matthias Koch
Die neue Ausgabe des "Spielfeld" ziert ein langes Interview mit Pavel Kaderabek. Der Linksverteidiger spielt seit neun Jahren für
1899 Hoffenheim. Und das dürfte der Grund sein, warum die Macher des Monatsmagazins der TSG den Tschechen ausführlich zu Wort kommen lassen.
Schließlich braucht die TSG derzeit - abgesehen von Ligapunkten - nichts dringender als Identifikationsfiguren. Derzeit wird das 125-jährige Jubiläum des 1899 gegründeten einstigen Dorfklubs aus der 3200-Seelen-Gemeinde gefeiert.
Mit Rosen ging bei Hoffenheim nicht nur der Sportvorstand
Doch auch 16 Jahre nach dem Aufstieg in die erste Liga ist seine Strahlkraft überschaubar. Da ist es denkbar ungünstig, dass das nach dem
Rausschmiss von Sportvorstand Alexander Rosen einzige Gesicht des Vereins vereinsintern derart angezählt ist.
Cheftrainer Pellegrino Matarazzo musste sich nach der jüngsten 1:2-Niederlage bei Union Berlin dann auch auf die Zunge beißen, um nicht seine Sicht der Dinge zum Besten zu geben. "Das würde das Feuer nur noch größer machen", fürchtete er.
Union Berlin bleibt auch nach dem vierten Bundesliga-Spieltag unbesiegt: Gegen die weiter schwächelnde TSG Hoffenheim feierten die Köpenicker einen 2:1 (2:0)-Heimsieg.23.09.2024 | 7:58 min
Gerüchte in Hoffenheim ebben nicht ab
Dabei brennt es beim Tabellen-15. schon jetzt so lichterloh, dass der Start in die Europa League mit dem Spiel beim FC Midtjylland (Mittwoch, 21 Uhr) fast schon in den Hintergrund tritt.
Matarazzo ist intern umstritten. Gerüchte, wonach seine Ablösung nur eine Frage der Zeit sei, könnte der Verein dementieren und würde dadurch für Ruhe sorgen. Doch seit der Demission von Rosen äußert sich kein TSG-Vertreter mehr zur sportlichen Lage.
Aufklärung übers aktuelle sportstudio
Auch der bedauernswerte Nachwuchschef Frank Kramer, der Rosen interimistisch vertritt, schweigt - ob freiwillig oder nicht, sei dahingestellt. So kommt es zu der grotesken Situation, dass die Fans aus anderen Quellen erfahren, wie es um ihren Verein steht.
Am vergangenen Samstag war es der Nationalmannschafts-Sportdirektor Rudi Völler, der im
aktuellen sportstudio durchblicken ließ, dass der Co-Trainer von Julian Nagelsmann, Sandro Wagner, einstweilen beim DFB bleibt.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler über die Fußball-Nationalmannschaft: Wer kommt, wenn Julian Nagelsmann aufhört? Bleibt Sandro Wagner beim DFB?21.09.2024 | 26:33 min
Bülter klagt über "Unruhe" im Verein
Auf die Frage, ob er einen Wechsel Wagners nach Hoffenheim ausschließen könne, antwortete Völler vielsagend: "Ja, im Moment schon." Matarazzos Laune dürfte das nicht verbessert haben.
An der Mannschaft gehen die Diskussionen sowieso nicht spurlos vorbei, wie Angreifer Marius Bülter in Berlin durchblicken ließ: "Die Unruhe wirkt sich immer wieder auf die Mannschaft und die Spiele aus."
Das Team verfällt in die gleichen Muster
Das Team hat allerdings auch ohne die Trainer-Diskussion Grund genug, verunsichert zu sein. Drei Niederlagen (gegen Frankfurt, Leverkusen und Union Berlin) steht nur ein Sieg gegen Kiel gegenüber.
Und das hat Gründe: Immer wieder verfällt das Team in die gleichen Muster. Im Spiel nach vorne schafft es die TSG nur selten, konsequent dominant aufzutreten. Beim einzigen Saisonsieg gegen Kiel zitterte man sich nach einer 2:0-Führung zu einem 3:2-Sieg.
Aufsteiger Holstein Kiel schlägt sich bei der TSG Hoffenheim achtbar, aber gegen Andrej Kramaric war kein Kraut gewachsen. Der Kroate schnürt beim 3:2 einen Dreierpack.26.08.2024 | 7:59 min
TSG braucht in Jütland ein Erfolgserlebnis
Durchweg überzeugende Leistungen, bei denen die TSG ihre durchaus vorhandene Qualität über 90 Minuten ausgespielt hätte, waren in den vergangenen Jahren rar gesät. Hinzu kommen die seit Jahren virulenten Probleme in der Innenverteidigung.
Umso wichtiger wäre ein gutes Ergebnis beim von Thomas Thomasberg gecoachten dänischen Meister FC Midtjylland ("Zentral-Jütland"), der zum Imperium des Milliardärs Anders Holch Povlsen gehört.
Midtjylland ist schon wieder Erster
Die "Ulvene" ("Wölfe") gingen 1999 aus der Fusion von Heming Fremad und Ikast FS hervor, wurden in der vergangenen Saison Meister und liegen derzeit nach dem neunten Spieltag der "Superliga" schon wieder auf dem ersten Platz.
Ohne Dietmar Hopp stünde die TSG Hoffenheim nicht da, wo sie ist. Doch wird das Engagement des Mäzens zum Problem? Sportjournalist Manu Thiele analysiert die Situation bei 1899.27.04.2023 | 14:23 min